Mit Optimismus die Welt verbessern

Ausstellung: Ursula Scherer zeigt in der Miltenberger Raiffeisen-Volksbank abstrakte Werke

Es sind Bil­der mit leuch­ten­den Far­ben. Bil­der, die Opti­mis­mus und Har­mo­nie aus­strah­len - auch wenn nicht al­len ein po­si­ti­ves The­ma zu­grun­de liegt.
Ur­su­la Sche­rer stellt der­zeit ih­re Ar­bei­ten in der Raif­fei­sen-Volks­bank am Ber­li­ner Platz in Mil­ten­berg aus. Auf der Ver­nis­sa­ge am Mitt­woch­a­bend durf­ten die Gäs­te ei­nen ers­ten Blick auf die ab­strak­te Kunst er­ha­schen. 

Triptychon heißt das in tristen Blautönen gehaltene Bild, das beim Betreten des Foyers ins Auge sticht. Das monumentale Werk thront auf der Galerie und zieht den Betrachter in seinen Bann, weil es neben seinen farbenfrohen Konkurrenten ernst und nachdenklich wirkt.

 

Die sparsame Farbgebung hat ihren Grund: Das Bild erinnert an die Terroranschläge vom 11. September 2001. Schemenhaft zeichnen sich die Twin Towers vor graublauem Himmel ab - unwirkliche Schatten. Der Ground Zero liegt in Asche, dunkles Rot färbt den Boden. Sie habe sich den Schmerz und ihr Mitgefühl von der Seele gemalt, sagt die Künstlerin. Ihre Botschaft: So einen Tag darf es nie wieder geben.

Noch 2001 stellte sie das Bild aus und startete ihre eigene Friedensbewegung, die seitdem jedes ihrer Werke begleitet. Scherer ist überzeugt: »In der Welt gibt es viel mehr Positives als Negatives!« Mit Zusammenhalt und Gemeinschaft könne man das Positive verstärken und die Welt ein Stück weit verbessern.

 

Nicht abgehoben

Da ist das Bild »Veränderung« - ein Mix aus hellen Grün- und Gelbtönen. Scherer hat es nach ihrem Credo gemalt: »Altes loslassen, Neues wagen«. Oder die Gemälde aus der Reihe Golden Signs. Blattgoldverzierungen lassen sie schimmern. Viele Goldblättchen wurden von Besuchern ihrer vorherigen Ausstellungen angebracht. Am Mittwoch durften die Gäste eines ihrer Werke ebenfalls verschönern. Ursula Scherer ist keine Künstlerin, die abgehoben in ihrem eigenen Universum dahinschwebt. Sie wirkt offen und bodenständig - weiß um die Probleme unserer Zeit. Wer mit ihr spricht, erfährt von den Reisen, die sie unternommen hat - nach Peking beispielsweise und durch Europa.

Kulturreferentin Gabriele Schmidt charakterisierte sie am Mittwoch treffend: »Egal ob ihr ein Ministerpräsident, ein Bischof, ein Olympiasieger, ein Bankchef oder einfach ein kleines Kind gegenübersteht: An der Kategorie Mensch ändert sich für Ursula Scherer nichts.«

Positiv, weltoffen und herzlich ist die Künstlerin. Mit Humor erklärte sie das Anbringen des Blattgolds und entlockte der einen oder anderen anfangs unsicheren Hand ein kleines Kunstwerk. Viele Besucher klebten Schnipsel auf. Andere versuchten sich in Formen wie dem Friedenszeichen oder einem Kreuz.

Am Ende des Abends entstand ein individuelles Bild, das Scherer gerne im größeren Rahmen ausstellen will.

Ihr Traum sei, die Botschaft ihrer Werke auch über die Landkreisgrenzen zu verbreiten, verriet sie. Vereinzelt hat sie be- reits in anderen deutschen Städten ausgestellt und sich auch im Ausland an Kunstprojekten beteiligt.

Die Ausstellung in Miltenberg mit dem Titel »Herzensangelegenheit - Harmonie in Farbe - Golden-Signs Retroperspektive und Kleines ganz groß« läuft noch bis zum 27. Februar. Die besondere Architektur der Raiffeisen-Volksbank mit Atrium und Galerie bietet einen passenden Rahmen.

JULIA PREISSER

 

Ausstellung November 2014 - März 2015

 

 

»Ich  glaube  an  das  Gute«

Ursula Scherer: Mit »Go for Gold« bei den Olympischen Spielen in London - Reckermann als »Künstler« erlebt

Ur­su­la Sche­rer war be­reits bei den Olym­pi­schen Spie­len in Pe­king da­bei. Jetzt hat die 51-Jäh­ri­ge auch ei­ne Platt­form in Lon­don be­kom­men. Nach ih­rer Rück­kehr sprach Syl­via Breckl mit der Künst­le­rin aus Obern­burg über ih­re Per­for­man­ce-Kunst »Gol­den Signs« und dar­über, was Kunst mit Sport zu tun hat.

Wie schafft man es, zu den Olympischen Spielen eingeladen zu werden?
Auslöser war ursprünglich die Stiftung der Deutschen Sporthilfe, für die ich bereits das Kunstwerk »The Flight of the Dragon to Asia« auf dem Ball des Sports in Wiesbaden konzipierte, und das bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking finalisiert wurde. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht für London wieder ein Projekt machen möchte. Und so habe ich dann »Golden Signs« für die Olympischen Spiele vorbereitet und im Hotel eines großen deutschen Reiseveranstalters ausgestellt. Im Rahmen von Events kamen dort viele deutsche Sportler und Größen aus dem politischen und gesellschaftlichen Leben zusammen und haben auf der Leinwand ihr Zeichen gesetzt.

Was genau haben Sie sich für die Olympischen Spiele ausgedacht?
Ich habe auf einer zwei Mal 4,8 Meter großen Leinwand auf abstrakte Weise die fünf Kontinente symbolisiert. Das Bild besteht aus fünf Teilen, wobei ich mir erlaubt habe, die Farben der Olympischen Ringe neu zuzuordnen und damit eine neue Fahne zu schaffen: Rot steht für Amerika, Grün für Australien, Gelb für Asien, Schwarz für Afrika. Der triptychonartige blaue Mittelteil repräsentiert Europa. Der Erdball soll die Weltraumperspektive veranschaulichen, aus deren Mitte Goldstaub auf die angrenzenden Farbflächen, also Kontinente, ausstrahlt. Das Ganze habe ich »Go for Gold« genannt.

Wobei wir bei Ihrer Kunstreihe »Golden Signs« wären, die sie als »Performance-Art« bezeichnen. Was genau steckt dahinter?
Jeder kann mit Blattgold Leben in das Bild bringen und sein eigenes, persönliches Zeichen setzen, das für das Positive steht. Bei »Golden Signs« wird jeder zum Künstler, frei nach dem Olympischen Gedanken »dabei sein ist alles«. Normalerweise ist es ja so, dass der Betrachter etwas in die Bilder hinein interpretiert oder versucht, das zu sehen, was der Künstler bezweckt hat. Bei »Golden Signs« ist es umgekehrt: Ich erfahre von den Menschen, welche Geschichten hinter ihrem Zeichen steht. Hinter jedem Blattgold verbergen sich Sehnsüchte, Träume und Lebenserfahrungen. Jedes großformatige Bild hinterlässt damit eine eigene Geschichte. Das erlebe ich als sehr spannend und bereichernd.

Was hat das mit Sport zu tun?
Das Projekt möchte das Positive in den Vordergrund rücken. Und Sport hat eine Vorbildfunktion in unserer Gesellschaft. Sport überwindet wie Kunst die Grenzen, lässt Menschen unabhängig ihrer Nation und Religion miteinander ins Gespräch kommen. Und auch bei den Olympischen Spielen jubele ich für jeden Sportler, gleich welcher Nation.

Sie möchten also mit »Golden Signs« die Welt verändern…
Ich möchte die Welt ein Stückchen besser machen. Das klingt groß, aber ich glaube einfach an das Gute im Menschen. Wenn ich die Zeitung aufschlage, gibt es so viele negative Schlagzeilen. Kann es nicht mehr positive Berichterstattung geben? Mit »Golden Signs« versuche ich, dem Positiven mehr Raum zu geben, eine Plattform für Veränderung zu bieten. Wenn jeder selbst ein kleines, goldenes Zeichen setzt, bewegt sich etwas, erst in den Köpfen der Menschen, dann - so meine Hoffnung - auch im Handeln. Das Selbsttun, das Selbst-zum-Künstler-Werden, bewirkt eine Verinnerlichung - man wird Teil einer Gemeinschaft, die von dieser Idee des Positiven getragen wird. Das ist auch die Resonanz, die ich auf mein Kunstprojekt bekomme: Die Menschen sind begeistert, sich für eine gute Sache einzusetzen. Kunst verliert dadurch seine Unantastbarkeit.

Wer hat sich bei »Go for Gold« in London verewigt?
Beachvolleyballer Jonas Reckermann war der erste, der sein goldenes Zeichen setzte. Zwei Wochen später hat das deutsche Duo Gold geholt, in einem sehr spannenden Spiel gegen die Brasilianer. Insgesamt haben sich etwa 100 Menschen auf der Leinwand verewigt, die ich leider noch nicht zeigen kann, da sie noch auf dem Rücktransport ist. Außerdem habe ich Alexander Weyrauch (Teilnehmer am Olympischen Jugendlager aus Bad König, Anm. d. Red.) getroffen. Nachdem ich den Bericht im Main-Echo über ihn gelesen hatte, habe ich ihn einfach angesprochen.

Wie war es überhaupt, bei den Olympischen Spielen dabei zu sein?
Es ist etwas ganz Besonderes, in einem Stadion live einem Wettkampf zuzusehen, diese Spannung in der Luft zu spüren, sich vom allgemeinen Freudentaumel anstecken zu lassen - eine ganz tolle Erfahrung. Generell habe ich die Spiele als sehr gelungen und gut organisiert erlebt. Die Londoner waren überaus hilfsbereit und zuvorkommend und sie haben nur positive Erinnerungen hinterlassen. Und ich habe die Olympische Fackel in der Hand gehalten!
Ihr »Golden Signs«-Projekt hatte eigentlich gar keinen sportlichen Hintergrund: Am 11. September nähert sich das zehnte Jubiläum Ihrer Performance-Kunstreihe…
Das stimmt. Die Idee zu »Golden Signs« hat einen ziemlich traurigen Ursprung. Dem Schrecken der Terroranschläge wollte ich ein positives Gegengewicht gegenüberstellen und ein Projekt schaffen, bei dem alle mitmachen können. Danach gab es weitere Performance-Werke mit Symbolcharakter: zum Beispiel den Staffellauf für »Frieden und Toleranz«, »Die Welt zu Gast bei Freunden« für den Staatsempfang in der Würzburger Residenz bei der Fußball-WM 2006.

Wie wird es mit der Blattgold-Reihe weitergehen?
Wenn ich sehe, wie begeistert die Menschen nach diesem Projekt sind, dann ist es für mich ein Ansporn, auch in Zukunft dieses Projekt am Leben zu erhalten und mit jedem Zeichen setzenden »Künstler« Zeitzeugen zu schaffen, deren Themen immer auch den aktuellen Zeitgeist spiegeln. Das kann jedes Thema sein, das etwas Positives, Ehrliches und Gutes zum Ziel hat. Institutionen oder auch Privatleute können so zum Teil einer Idee werden und sich mit »Golden Signs« verewigen. Wer diese Idee unterstützen möchte, kann sich gerne bei mir melden. Für meine Kunstreihe würde ich mir einen öffentlich zugänglichen Raum wünschen, etwa das Sport- oder Olympiamuseum oder eine Stiftung. Wie das genau aussehen soll, ich weiß es auch noch nicht. Ich bin offen für jegliche Kooperation oder Idee - solange sie für eine positive Veränderung steht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   

                                                          Bild: "Zwei......., zwei........."                     Schloss Löwenstein Kleinheubach

 

 

»Malen  und  Weltverbessern«

Kunst: Die Obernburger Malerin Ursula Scherer hat ein Atelier im Schloss Löwenstein in Kleinheubach eröffnet

 

 

Mittwoch, 26.10.2011 - Main Echo

Ih­re Vor­lie­be gilt der ab­strak­ten, ex­pe­ri­men­tel­len Ma­le­rei, in der sie ins­be­son­de­re das The­ma Mensch re­f­lek­tiert. Die in Obern­burg le­ben­de Künst­le­rin Ur­su­la Sche­rer hat schon für vie­le Fir­men und Ein­rich­tun­gen am Un­ter­main Auf­trags­ge­mäl­de ge­schaf­fen - un­ter an­de­rem für die Deut­sche Ver­mö­gens­be­ra­tung in Großh­eu­bach. Für sol­che Pro­jek­te setzt Sche­rer ih­re Ma­le­rei in Be­zug zu Raum und Mensch.

Man sieht den Gemälden an, dass sie Architektur studiert hat. Vielleicht spielt auch ihre positive Lebenseinstellung eine Rolle, da für sie das Ganze in seiner komplexen Wirkungsweise zählt und alles eine Beziehung zueinander hat.

Scherer versucht, mit ihrer Kunst immer wieder das Positive in den Vordergrund zu stellen, was sich günstig auf den Raum und auf die in ihm verkehrenden Menschen auswirken soll. Diese Vorgehensweise führt zu interessanten Kunstwerken, die ihren Betrachter fesseln und zum Nachdenken über sich und seine Mitmenschen anregen sollen. Viele Benefizaktionen unterstützt die Malerin aktiv, indem sie ihre Kunstwerke für einen guten Zweck versteigern lässt. Zuletzt war Scherer 2009 mit dem Projekt »Golden Signs« in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Steffi Jones, Präsidentin des Frauen-Fußball-WM-Organisationskomitees, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Nationalspielerin Renate Lingor und viele andere Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie interessierte Mitbürger setzten »ihr« Zeichen in dem Gemälde. Das Bild wurde für einen guten Zweck versteigert.

Seit dieser Zeit war es etwas ruhig um die Künstlerin geworden. »Ich bin aber meiner Leidenschaft - dem Malen und Weltverbessern - treu geblieben«, erklärt Scherer. Seit Anfang Oktober hat sie nun ein Atelier im Schloss Löwenstein in Kleinheubach. Dort können Interessierte der Künstlerin jederzeit nach Vereinbarung über die Schulter schauen und ihr beim Arbeiten zusehen. red

 

 

 

 

 

AUSSTELLUNGSTEXT 3, URSULA SCHERER IN MILTENBERG

Von Dr. Christina Glaser-Kissenberth

 

Ein dokumentarisches Zeugnis jüngster Vergangenheit steht im Zentrum der neuen Werke von Ursula Scherer: Es ist ein hochformatiges, großflächiges Triptychon von eindringlicher Präsenz, betitelt "11. September". Unser Blick wird auf einen Ausschnitt der schrecklichen Wirklichkeit an diesem Tag gelenkt, den Anschlag auf das Word-Trade Center in New York.

 

Auf dem überdimensioniert großen Mittelteil des Triptychons sind die Twin-Towers schemenhaft aus einem Schutthaufen ragend, bzw. darüber schwebend zu sehen. Ihre Konturen lösen sich in Farbnebeln auf und verschwinden wie ein Traumbild. Etwas, das es gerade eben noch gab, ist mit einem Mal nur noch Erinnerung oder doch schon wieder eine Zukunftsvision?

 

Die beiden Seitenflügel des Triptychons sind gegensymmetrisch gearbeitet. Dass die beiden Gebilde der Seitenflügel links und rechts auf drapiertem, tiefblauem und mit wenig Schwarz durchzogenem Grund von Ferne bereits wie zwei Augen dem Betrachter entgegensehen, ist beabsichtigt. Jedes "Auge" enthält 300 Blattgoldteile, die sich, hintergründig bedeutungsvoll von der Raumluft bewegen lassen. Jedes dieser Goldteile steht für die Opfer an diesem Tag.

 

Das monumentale Werk gilt nicht nur als Sinnbild für die darin verarbeiteten Gefühle der Künstlerin, hat sie selbst doch bereits das Panorama New Yorks von einem der Türme aus bewundern können. Sie hat dem Werk "11. September" des weiteren einen überzeitlichen Ausdruck verliehen, indem es für den Widersinn von Terror und Gewalt an sich steht.

 

Angedacht hat sie die Möglichkeit, vom Triptychon Postkarten drucken  und den Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags als Solidaritätsbekundung zukommen zu lassen. Die finanzielle Realisierung dieser Idee ist jedoch bei den hohen Kosten ohne die Mithilfe von Sponsoren nicht möglich.

 

In einer weiteren Bilderfolge kleineren Formats zum gleichen Thema will Ursula Scherer den Blick öffnen für den Umgang mit sensationellen Ereignissen, die zunächst eine starke Anteilnahme in der Öffentlichkeit erfahren und in unserem eiligen Leben doch bereits nach kurzer Zeit in ihrer Wirkung verebbt sind. In freien gestischen, abstrakten Strukturen aus Farbpigmenten hat sie diesen Prozess in einem kleinen Zyklus von Bild zu Bild in stets abnehmender Form umgesetzt. 

 

Als Gegengewicht zur Dramatik des 11. September malt sie die Natur in ihren Grundelementen, wie etwa das Element Wasser, das in synchronen Wellen schnell und frei hingeworfen wirkt. Als Element Erde ist unser Planet in Türkisblau aus der Weltraumperspektive zu sehen.

 

Stets drückt Ursula Scherer das für sie Schätzenswerte und Edle in wertvollen Blattgoldelementen aus. So auch in dem kleinen und fein erzählenden Zyklus "Die Lebensphasen", die - kleinen Collagen gleich - in abstrakter Symbolik ihre eigenen Empfindungen wiedergeben, in denen das Dunkle, wie das Helle und Strahlende des Lebens seinen Platz hat. Nicht ohne Stolz erzählt sie, dass die "Lebensphasen" bereits in New York gezeigt wurden.

 

In jedem ihrer Bilder und Objekte äußert sich eine Lebenseinstellung. Und oft geschieht es, dass für ihre gleichnishaften Darstellungen ein einziges Bild nicht reicht. Deshalb folgt häufig aus dem ersten Bild ein weiteres bis eine kleine Serie entstanden ist. Auch die Viererserie "Die Dynamik" ist ein Beispiel für diese Haltung. Hier will sie sichtbar machen, wie Geschehnisse einen nicht mehr zu stoppenden Verlauf nehmen können, wie etwa die Entwicklungen zum Afghanistan-Krieg.

 

Präzise aufeinander bezogen sind auch die Bilder der kleinen Reihe "Zen". Wenige zierliche Linien und knappe Formen weisen auf die Klarheit und Einfachheit dieser Geisteshaltung hin. Darin ausgedrückt ist zudem ihre Meinung, dass man eigentlich nur ganz wenig braucht.

 

Die Künstlerin möchte Anregungen auch auf originelle Weise weitergeben. Ein Quader aus Plexiglas mit Spiegel weist den Betrachter auf seine unwiederholbare, schätzenswerte Individualität hin.

 

"Du, tue jeden Tag etwas Gutes, und eines Tages ...", gibt eine andere Grundeinstellung von Ursula Scherer wieder. Mit ihren Bildern will sie nicht zuletzt ein Zeichen setzen, dass wir Menschen nicht einfach tun dürfen, was wir tun wollen und technisch auch können. "Wir sollten mit uns selbst ins Reine kommen und so leben, dass wir ohne weiteres jemanden dabei über unsere Schulter schauen lassen können."

 

2001

AUSSTELLUNGSTEXT 2, URSULA SCHERER IN KLINGENBERG

- EXCELLENT HISTORIE OF „THE MERCHANT OF VENICE“

 

Von Herman Wombacher

 

In dieser Geschichte geht es um zwei Welten. Da ist auf der einen Seite der reiche Kaufmann Antonio, „ein besseres Herz lebt auf Erden nicht“, lange verwöhnt von Glück und Reichtum, doch dann in Schulden geraten, in Melancholie gefallen aus Sorge um den drohenden Verlust seines Vermögens. Auf der anderen die Welt des Bösen und des menschenverachtenden Hasses in Gestalt des jüdischen Geldverleihers Shylok.

Zwischen diesen Polen steht eine Frauengestalt, Portia, „sie ist schön, und, schöner als dies Wort, von hohen Tugenden“. Doch nichts ist so, wie es scheint. Der monströse Bösewicht ist nicht absolut böse. Sein Hass ist wohl begründet, er fußt auf der Jahrhunderte alter Demütigung seines Volkes und auf der Scheinheiligkeit der Menschlichen Gesellschaft. Auch Portia ist kein höheres Wesen, ambivalent einmal die demütig Liebende, dann wieder die boshafte Spötterin.

 

Hier setzt die Künstlerin Ursula Scherer mit ihrem Bild an. Sie reduziert die unterschiedlichen Charakterzeichnungen rein auf die Sprache der Farben. Auf der einen Seite das Dunkle, doch nicht in absoluter Schwärze. Da und dort schimmert es licht, lässt einen hellen Urgrund ahnen, verspricht Hoffnung. Auf der anderen überwiegt das Rot, die Farbe der Liebe, des Lebens, der Leidenschaften. Dazwischen leuchtendes Gelb, trennender Schnitt zwischen dem allzu menschlichen auf beiden Seiten. Doch dieser Lichtstreifen ist nicht transzendental, auch er wird beeinflusst von beiden Seiten. Tief greift das Dunkle in dieses helle Band, oder lässt es das Dunkle weichen, verspricht es Erlösung? Schafft es Verbindung der krassen Gegensätze, verspricht es friedvolle Zukunft?

 

Ursula Scherer sieht nie etwas vordergründig. Sie greift hinter vergängliche Gegenständlichkeit, sie sucht im Dahinter das Bleibende, das Gültige. Mehr noch, sie möchte das So-Sein verändern, zum Guten wenden.

Ihre Bilder sind immer auch Botschaften, auf die man sich aber einlassen muss, um sie ins sich aufzunehmen.

Ursula Scherer arbeitet sehr aufwändig. Da ist nichts „nur hingeschmiert“, da wurde auf lichten Gelb Schicht um Schicht aufgetragen, nicht einfach aus der Tube, sondern mit ausgewählten Farbpigmenten auf Acrylbasis eigens erstellt. Nichts dem Zufall überlassend, sondern immer geleitet von Sinn und Hintersinn dessen, was die Künstlerin selbst empfindet und was sie uns allen sagen möchte.

 

Alles in allem, hier wurde ein Bild geschaffen, das weit über seinen aktuellen Anlass hinausgeht. Die Geschichte selbst ist uralt, sie ist infiltriert im Menschen, allzeit aktuell bis in unsere Gegenwart. Das Shakspeare-Schauspiel wurde lange als Komödie gesehen, bis man heute aus unserer bitteren Vergangenheit persönliche Betroffenheit spürt, Schuldgefühle ob des eigenen Glücks auf Kosten derer, die sich auf der Schattenseite des Lebens befinden. Hieraus den versöhnenden Weg finden durch die Kraft des Lichtes, der Liebe. So gesehen hat das Bild von Ursula Scherer Weltgültigkeit.